„Die Stiftung wirkt segensreich dort, wo es die Klinik nicht kann" | Drucken |

Interview mit Professor Dr. med. Eckard Hamelmann

Hamelmann_ganz_9812_webProf. Dr. med. Eckard Hamelmann leitet seit 2008 als Direktor die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Ruhr-Universität Bochum im St. Josef-Hospital. Seit 2010 gehört er außerdem zum Vorstand der Stiftung Kinderzentrum Ruhrgebiet. Wir sprachen mit ihm über die Schnittstellen beider Einrichtungen, die Aufgaben und Zukunft der Stiftung.

Prof. Dr. Hamelmann, wieso sind Sie als Direktor der Klinik auch Vorstandsmitglied der Stiftung geworden?

Aus der Überzeugung heraus, dass Stiftung und Kinderklinik inhaltlich und strukturell ganz eng zusammengehören und voneinander auch in mehr oder wenig großem Maße abhängen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit einer aktiven Mitgestaltung der Stiftungsarbeit durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Klinik. Insofern ist es selbstverständlich, dass der Direktor der Kinderklinik sich in besonderem Maße auch für die Belange der Stiftung interessiert und engagiert. Als Teil des Vorstandes ist er somit auch in die Entscheidungen für zukünftige und laufende Stiftungsprojekte eingebunden.

Wie muss man sich die Bedeutung der Stiftung Kinderzentrum Ruhrgebiet innerhalb der Klinik vorstellen?

Nun, unsere Klinik ist für die medizinische Versorgung von akut und chronisch kranken Kindern und Jugendlichen vom ersten Lebenstag bis zum Erreichen des 18. Lebensjahres zuständig. Das bedeutet konkret, dass wir ca. 4000 stationäre Patienten und 25.000 ambulante Patienten pro Jahr behandeln. Diese große inhaltliche und organisatorische Aufgabe bedeutet aber auch, dass wenig Zeit und sicherlich viel zu wenig Ressourcen für andere Aufgaben, die ebenso für das Wohl oder die Zufriedenheit unserer Patienten und Angehörigen notwendig sind, übrig bleiben. Hier kann eine Stiftung sehr segensreich wirken.

Was genau kann die Stiftung leisten?

Sie kann etwa durch gezielte Initiativen Projekte unterstützen, die – neben der klassischen und klinischen Routine – der Betreuung und Versorgung unserer kleinen Patienten dienen. Hier ist es der Stiftung in beispielhafter Weise gelungen, besondere Projekte wie das Familienforum, eine Art von Familienbildungsstätte, an der Kinderklinik mit aufzubauen und technische Einrichtungen für verschiedene Abteilungen, wie z. B. Sonografiegeräte, Bronchoskopiegeräte etc., mit anzuschaffen.

Was zeichnet die Stiftung Kinderzentrum Ruhrgebiet aus?

In Bochum ist die Situation durch eine besonders enge Partnerschaft und den direkten Austausch von Gedanken und Erfahrungen gekennzeichnet. Darüber hinaus zeichnet sich die Stiftung in Bochum durch ihr fantasievolles und initiatives Vorgehen aus, welches zu eigenen, kreativen Projekten und Angeboten für die Patienten geführt hat.

Krankenhäuser werden immer stärker als Wirtschaftsunternehmen geführt. Wie ist vor diesem Hintergrund das Wirken der Stiftung einzuschätzen?

Gerade in den Zeiten der besonderen Bedeutung der Wirtschaftlichkeit einer Klinik ist eine Stiftung gewissermaßen ein Refugium. Sie ermöglicht, Dinge zu finanzieren oder anzustoßen, deren Bedeutung nicht darin liegt, dass sie das Betriebsergebnis einer Klinik verbessern. Ein Beispiel: Durch die Hilfe der Stiftung konnte das Schwimmbad an der Kinderklinik weiter in Betrieb gehalten werden. Hier werden nicht nur zahlreiche Schwimmkurse für gesunde und behinderte Kinder und Jugendliche abgehalten, sondern auch unsere stationären Patienten im Bewegungsbad behandelt.

Wie wird die Zusammenarbeit in Zukunft aussehen?

Wichtig für die zukünftige Entwicklung ist vor allem, dass Kinderklinik und Stiftung gemeinsam vorangehen.

Haben Stiftung und Klinik konkrete Ziele?

Ein großes gemeinsames Ziel bleibt die Errichtung eines Sozialpädiatrischen Zentrums (SPZ) an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin. Hierfür wurde ursprünglich die Stiftung gegründet, dazu hat sie ein wunderschönes Gebäude aus den Stiftungsgeldern errichten können, welches eine ideale Heimat für das zukünftige SPZ darstellt. Entsprechend ist es unser gemeinsames Anliegen, hier – mit Unterstützung der Partner im Gesundheitswesen in Bochum und im Lande – bei den Krankenkassen endlich die Zulassung dieses notwendigen und absolut sinnvollen Instrumentes für die Versorgung der besonders kranken und chronisch betroffenen Kinder- und Jugendlichen durchzusetzen.

 

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