| Da leuchten zwei Diamanten | | Drucken | |
Spastische Diparese. Oder: Wie Zwillingsmädchen Madeleine ihr Schicksal meistertBochum, im Dezember 2002. Die kleine Madeleine Freitag aus Dortmund ist fünf Jahre alt. Während ihre Zwillingsschwester Melina durch den Raum tobt, kann Madeleine nicht allein gehen und muss rund um die Uhr Windeln tragen. Madeleine leidet an spastischer Diparese, ihre Schwester ist gesund. Die allerschönste NachrichtDie Geschichte Madeleines ist schön und erschreckend zugleich. Nach einer künstlichen Befruchtung erwartete Renate Fröhlich 1996 die Zwillingsmädchen. "Da leuchten zwei Diamanten", sagte der Frauenarzt beim Ultraschall – die allerschönste Nachricht für die Dortmunderin, die 14 Jahre lang vergeblich ein Baby ersehnt hatte. Doch schon in der 26 Schwangerschaftswoche drängten Madeleine und Melina auf die Welt, zwei extreme Frühgeburten mit zum Teil beidseitigen, schlimmen Gehirnblutungen. Kampf um Leben und TodEin Kampf um Leben und Tod begann. Madeleines Geburtsgewicht von 750 Gramm sank in der ersten Lebenswoche um 200 Gramm. Ihre Lungen veragten, sie hatte ein Loch im Herzen, das Blut musste ausgetauscht werden. Renate Freitag hatte Madeleine noch nicht gesehen, da machte eine Psychologin die Wöchnerin mit der Diagnose vertraut: Wenn Madeleine überhaupt überlebt, wird sie schwer behindert bleiben. "Wir wollen sie haben," sagte Renate Freitag. Ihr Wunsch ging in Erfüllung.Niederschmetternde PrognosenDrei Monate nach der Geburt kamen die Babys erstmals nach Hause. Melina weitgehend gesund, Madeleine als Spastikerin. Steif wie ein Brett lag sie in ihrem Bettchen, und die Ärzte stellten niederschmetternde Prognosen. Als Madeleine neun Monate alt war, traf Renate Freitag auf Anraten ihres Kinderarztes im Kinderzentrum auf die Vojta-Therapeutin Iris von der Lippe. Sie stellte einen strengen Plan auf: dreimal täglich Vojta-Turnen. Das ist ein Programm, das kleinen Patienten eine Menge abverlangt, und ihren Eltern erst recht. Bis heute halten die Freitags den Stundenplan eisern ein, denn sie wissen: Nur wenn die Eltern mitziehen, hat das Kind eine Chance.Mit vier Jahren auf eigenen FüßenDie Bemühungen trugen Früchte: Mit vier Jahren stellte Madeleine sich erstmals auf ihre eigenen Füße – ein Riesenerfolg. Sie kann sich an- und ausziehen und allein essen. Madeleine lernt Fahrradfahren, feilt in der Ergotherapie an der Feinmotorik und verbessert bei der Logopädin ihre Sprache. Gemeinsam mit Melina besucht Madeleine heute einen normalen Kindergarten, die Zwillinge gehen aber in getrennte Gruppen. Spielkameraden laden die energische Fünfjährige gern zum Kindergeburtstag ein: "Aber allein, ohne Schwester und ohne Mama." Und genau darauf ist Renate Freitag ganz besonders stolz. Stichwort: spastische Disparese KiZ-Beitrag vom 22.12.2002 |
