„Wir geben nie auf!" | Drucken |

Ahmed und Mohammed Allaoui sind spastisch gelähmt – aber nicht unterzukriegen

Wenn da nicht was ausgeheckt wird ... Mohammed (li.) und Ahmed in Aktion. Foto: Anja MickeBochum, im Januar 2011. Da wird umhergetollt und gekichert und gelacht bis die Luft ausgeht – wer die Zwillinge einmal „in Aktion" erlebt, wird von ihrer Lebensfreude sofort angesteckt. Ahmed und Mohammed Allaoui (11) toben mit Bruder Omar (7) und Schwester Nurhan (3) um die Wette – dabei leben die Zwillinge mit einem Handicap. Beide sind spastisch gelähmt. Ahmed benötigt einen Rollstuhl, Mohammed kämpft mit Gleichgewichtsstörungen. Ihr jetziger Status und ihre Lebhaftigkeit sind ein großer Erfolg, den die Eltern, die sich aufopferungsvoll für ihre Kinder einsetzen, aber auch viele Helfer bewirkten. Hierzu gehören nicht zuletzt Therapeutin Bettina Menzen von der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Ruhr-Universität Bochum im St. Josef-Hospital und die Stiftung Kinderzentrum Ruhrgebiet.

Zwei Winzlinge von 440 Gramm

Die Allaoui-Brüder Omar (v. li.), Ahmed und Mohammed. Foto: Anja MickeAuch Fadi Allaoui war überglücklich, als seine Frau Nawal verkündete, sie sei schwanger. Aber schon bald mischte sich Sorge in die Vorfreude auf den Nachwuchs. Die Mienen der Ärzte wurden von Woche zu Woche und mit jeder neuen Untersuchung bedenklicher, schließlich riet der Kinderarzt, Nawal solle in die Spezialklinik nach Köln. Dort wurden weitere Tests durchgeführt und entschieden, die Kinder sofort per Kaiserschnitt zu holen. Das war am 8. April 1999, in der 24. Schwangerschaftswoche. Als extrem Frühgeborene wogen Ahmed und Mohammed bei ihrer Geburt jeweils 440 Gramm und wiesen beidseitige Leistenbrüche, Einblutungen im Gehirn und offene Herzen auf. „Das war schon ein Schock. Dann blieb meine Frau drei Monate in der Klinik, bis der Zustand der Kinder stabil war. Danach waren wir beide psychisch und physisch fertig", erinnert sich Fadi Allaoui.

Unbürokratische Hilfe

Fadi Allaoui dankt beim Neujahrsempfang 2010 für die Hilfe der Stiftung. Im Hintergrund Bettina Menzen. Foto: Anja MickeVon Köln ging es ins Elisabeth-Krankenhaus nach Bochum, von da Ende 1999 in die Kinderklinik. Seither stehen jeden Tag für jeden Zwilling Physio- und Ergotherapie auf dem Stundenplan. „Wir haben jeden Tag mit Frau Menzen Gymnastik gemacht, und sie hat uns von Anfang an die Kraft gegeben, auch schwierige Situationen durchzustehen", sagt Fadi Allaoui. Dabei war der gesundheitliche „Aufbau" der Zwillinge nur die eine Seite, das andere waren die vielen aufreibenden Gänge zu Ämtern, Behörden und der Krankenkasse. Zum Glück gab es oft auch unbürokratische Hilfe, wie etwa von der Stiftung.

Jochen Grothkops spontane Unterstützung

Die Allaouis (v. li.): Fadi, Omar, Ahmed und Mohammed. Foto: Anja Micke„Wir haben bis Anfang 2010 die Heimgymnastik auf einer Matratze durchgeführt, weil die spezielle Liege von der Kasse nicht übernommen wurde und für uns zu teuer war", so Fadi Allaoui, der als LKW-Kraftfahrer arbeitet. Als er im Januar 2010 auf dem Neujahrsempfang der Stiftung davon berichtete, sagte Jochen Grothkop, Vorsitzender des Stiftungskuratoriums, spontan Hilfe zu. Fadi Allaoui: „Er war tatsächlich drei Tage später bei uns – mit einer Liege! Das war wirklich großartig." Schaut er heute auf seine „Rasselbande", sind die Sorgen nicht gänzlich verschwunden, aber die Zuversicht überwiegt. „Natürlich mache ich mir viele Gedanken um die Zukunft. Aber wir haben, auch dank der großen Unterstützung, unglaublich viel geschafft mit den Kindern. Sie haben sich sehr gut gemacht, und das macht uns Mut. Wir geben nie auf!"

 

Lesen Sie auch über den Neujahrsempfang 2010 der Stiftung.

 
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