| Die Positivspirale in Gang setzen | | Drucken | |
Akademie des Kinderzentrums Ruhrgebiet: Wochenend-Seminar zur Therapie Frühgeborener mit Beziehungs- und Verhaltensauffälligkeiten
Probleme bei jedem zweiten FrühgeborenenJedes Jahr kommen in Deutschland rund 60.000 Kinder zu früh zur Welt – etwa 9 % jedes Geburtsjahrgangs. Die Frühgeburt birgt viele Risiken. So kann das Gehirn der Frühgeborenen in schlimmen Fällen irreparabel geschädigt sein, was spastische Störungen des Nerven- und Muskelsystems zur Folge hat (infantile Zerebralparese). Andere Störungen, die ihre Ursache in der extremen Unreife des Gehirns haben, sind glücklicherweise weniger schwerwiegend, aber auch weitaus schwerer zu entdecken: Bei jedem zweiten Frühgeborenen vor der 32. Schwangerschaftswoche treten Probleme in der Abstimmung des Handelns auf Umweltreize (Regulation), der Beziehungsfähigkeit und im Verhalten auf, die sich in Symptomen äußern wie eingangs beschrieben. Diese sind bei den turnusmäßigen Vorsorgeuntersuchungen (U-Untersuchungen) nicht unbedingt zu erkennen, weshalb es angeraten ist, Hebammen – die wichtigsten Ansprechpartner für Mütter von Säuglingen – für diese Störungsbilder zu sensibilisieren. So bietet sich die enorme Chance, schon sehr früh präventiv oder auch therapeutisch tätig zu werden. Bündelung von Maßnahmen bringt ErfolgEin Mittel der Früherkennung und Therapie ist das IntraActPlus-Konzept, das verschiedene Maßnahmen in sich vereint. Videoaufnahmen, die mit den Eltern besprochen werden, dienen dazu, die Besonderheiten im Verhalten der Kinder aufzuzeigen. Den Eltern wird auf diese Weise verdeutlicht, wie sie ihr Verhalten auf die speziellen Bedürfnisse der Kinder abstellen. So lernen sie etwa, durch stark ausgeprägte Mimik und Ammensprache viel intensiver, als sie es normalerweise täten, auf die kleinsten positiven Beziehungssignale ihres Kindes zu reagieren. „Diese und einige weitere Verhaltensvorgaben bringen in vielen Fällen schon eine Positivspirale in Gang“, sagt Dr. Sabine Nantke. Außerdem kommen ein Dokumentationsbogen und regelmäßige Elterngespräche zum Einsatz, die sich vor allem in der Nachsorge bewähren. Hier wird geprüft, wie es um gewisse Fähigkeiten des Säuglings bestellt ist und wie sie sich entwickeln: Blickverhalten, Körperkontakt, Sprache, Mimik, Lächeln usw. Aber auch die Ängste und Probleme der Eltern kommen zur Sprache. Dr. Sabine Nantke: „Dank einer Bündelung von Maßnahmen fördern wir die elterliche Kompetenz, können notwenige therapeutische Maßnahmen ergreifen und sichern die Eltern-Kind-Beziehung.“ Das IntraActPlus-KonzeptDas IntraActPlus-Konzept ist ein verhaltenstherapeutisch orientierter Therapie- und Interventionsansatz, bei dem mehr als üblich die „Beziehung“ mit in die Arbeit einbezogen wird. Um die meist im Millisekundenbereich liegenden Signale von „Beziehung“ erfassen zu können, wurde die Videoarbeit perfektioniert. Weitere Informationen zum IntraActPlus-Konzept sowie zu entsprechenden Weiterbildungskursen unter www.intraactplus.de oder über die Akademie des Kinderzentrums Ruhrgebiet: 0234 – 509 2800. Foto: © Ines Friedrich, www.pixelio.de
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